Kompakt zusammengestellt hat “The European Circle” unter der Überschrift “Leere Drohungen und volle Wasserstraßen“, den augenblicklichen Stand des politischen Iran-Dschungels.
Nur eines verwundert: Exil-Perser haben über viele Jahre fast schon darum gebettelt, der Westen möge sein florierendes Geschäft mit der IRI einstellen. Vor allem der Handel mit dem Öl – die Haupteinnahmequelle der Islamischen Republik – war ihnen dabei ein Dorn im Auge. Das Öl ist sozusagen das Herz des Regimes: Fallen diese Gelder aus, ist die IRI massiv geschwächt. Interessant ist, dass “The European Circle” das andesr bewertet und der Meinung ist, dass die Sanktionen den Mullahs nichts anhaben. Dabei wird deutlich, dass der augenblickliche Zustand über die katastrophale wirtschaftliche Entwicklung des Landes offensichtlich noch lange nicht allen bekannt ist. Unter der Last der Sanktionen bricht das Regime beinahe zusammen. Als Faustregel gilt hier: Wenn die Mullahs sich ganz besonders anstrengen so zu tun, als würde sie ein Maßnahme des Westens nicht interessieren, sind sie ganz besonders in Schwierigkeiten.
Es ist zu hoffen, dass das Öl-Embargo des Westens auf den Weg gebracht wird. Die IRI wird diese Sanktionen deutlich spüren. Auch das Volk wird leiden, das bleibt bei Sanktionen nicht aus. Doch damit ist viel Hoffnung verbunden: Bereits jetzt ist die Zahl der Arbeitslosen im Iran unfassbar hoch, ebenso die Zahl jener Menschen, die in Armut leben. Dies ist beschämend, angesichts des Reichtums, das im Land vorhanden ist. Grundnahrungsmittel sind derzeit bereits so preisintensiv, dass viele von ihrem Kauf absehen müssen.
Worin soll die Hoffnung liegen? Die Perser haben bis heute, fast 33 Jahre nach Gründung dieser Schandrepublik, immer versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen und sich den Umständen gefügt. Bequemlichkeit spielte ebenso eine Rolle wie auch Angst. Die Angst, das haben die Perser im Sommer 2009 beeindruckend bewiesen, haben sie beinahe besiegt. Geblieben ist die Bequemlichkeit. Zum Beispiel die eines ausgebildeten Arztes, der heute medizinische Produkte verkauft, anstatt in einer Praxis Menschen zu behandeln. Es lohne sich nicht als Arzt zu praktizieren, zu unsicher und zu geringe Einnahmen. Den Verkäuferjob hat er, der in der Uni zu den besten Studenten zählte, angenommen, um Frau und Kind ernähren zu können. “Ich werde in 100 Jahren nicht auf die Straße gehen, um zu protestieren. Ich will nur einigermaßen anständig Leben.”, erklärte er den Grund, weswegen er im Sommer 2009 zu Hause geblieben ist. Es bleibt sein Geheimnis, was als anständiges Leben unter diesem Terror-Regime versteht. Er wird aber noch einmal darüber nachdenken müssen, ob es zu Hause bleibt, wenn die Familie Hunger leidet, weil er seinen Arbeitsplatz verloren hat.
Das ist wirklich platteste Verelendungstheorie, was du hier vertrittst. Ich bin auch für die Sanktionen, aber nicht weil ich glaube, dass man das Volk nur genug quälen müsse, damit es sich endlich erhebt.
Und Sanktionen können einen Militärschlag nicht ersetzen – nur vorbereiten.
Es war nicht die Rede davon das Volk zu quälen, bitte erst einmal genau durchlesen. Innerhalb der IRI kann es kein “vernünftiges Leben” geben. Man kann sich sicher irgendwie anpassen, aber es ist kein lebenswertes Leben. Das kann es nicht sein, weil die Menschen nicht in Freiheit leben. Solange das nicht alle gänzlich erkennen, wird sich daran nicht viel ändern. Wir stehen mit Persern im Land in Kontakt, die Sanktionen als Hoffnung bezeichnen, genauso bewerte ich es auch. Denn darin liegt die Chance, dass die Perser, die versuchen mit dem Regime auf eine Art und Weise zurecht zu kommen, an ihre Grenzen stoßen und erkennen, dass nur ein Sturz des Regimes die Lösung des Elends sein kann. Sie werden – so unsere große Hoffnung – sich dann denn Freiheitskämpfern anhschließen und sie stärken.
Ihre Bemerkung mit dem Militärschlag ist sinnlos und völlig fehl am Platz. Es war in diesem Artikel nicht die Rede von einem Krieg, dies halten wir für völlig unnötig und haben es bereits mehrfach thematisiert und begründet.
Und abschließend noch einmal die eindringliche Bitte: Immer schön alles durchlesen und vielleicht auch anderweitig Informationen einholen, bevor man anfängt hier inhaltslose Kommentare zu hinterlassen und einen auf Human zu machen, während man gleichzeitig anderen das Gegenteil vorwirft. Die Wahrheit ist, dass immer mehr Perser in bitterer Armut leben. Es gibt im Herrschaftssystem der IRI keinen Mittelstand, weil keine Privatwirtschaft existiert. Sämtliche Bereiche, die rentabel sind, liegen fest in der Hand der Revolutionsgarde. Armut trifft gut augebildete Menschen, Akademiker, weil sie keinen Beruf finden. Schlimmer kann es für die breite Masse also kaum noch kommen. Sie hält sich gerade noch über Wasser. Die Situation der Menschen ist also schlecht (seit Jahren) und es hat hier niemanden gekümmert. Ich wette auch Sie nicht.
Es geht darum Sanktionen durchzusetzen, die das Regime treffen, sie zum kollabieren bringen. Wie bereits im Artikel erwähnt flehen Exil-Perser bereits seit vielen Jahren die Handelbeziehungen zum Iran zu beenden, insbesondere in Sachen Öl, das kann der Schlüssel zum Erfolg sein.
Infos zur Weiterbildung:
http://www.tagesschau.de/ausland/iran162.html
http://alischirasi.blogsport.de/2011/04/27/irankeine-demonstration-sondern-armut
http://www.taz.de/!36005
Nach genauem Durchlesen des Artikels und der Antwort steht für mich auch immer noch die Verelendungsthese im Raum. Das Problem ist, dass das historisch im kleinen (z. B. Drogenabhängigkeit) wie im großen (z. B. Lage von Arbeitern) nur dürftig oder überhaupt nicht funktioniert hat. Im schlimmsten Fall führt das sogar in den Faschismus wenn die Bindung an die Ideologie und ihre Heilsversprechen zumindest in verschiedenen Schichten noch zunimmt.
Das Macht die Befreiung des Iran zu einem komplexen Problem. Auch eine militärische Intervention bleibt fragwürdig!