Nur wenige Tage ist es her, da hat “Reporter ohne Grenzen” die Islamische Republik Iran als “Feind des Internets” bezeichnet. Wie um es zu bestätigen ist heute bekannt geworden, dass der seit Februar inhaftierte Blogger, Omid Reza Mirsajafi, im Gefängnis gestorben ist. Angeblich habe der 25 jährige Selbstmord begangen, doch angesichts des brutalen Vorgehens der Islamischen Republik gegen Inhaftierte und mit Blick auf die jüngst veröffentlichte Studie von “Reporter ohne Grenzen” muss dies bezweifelt werden.
Noch am Vorabend seines Todes hat Mirsajafi mit dem iranischen Exiljournalisten Alireza Nourizadeh per Telefon gesprochen. Offenbar haben dies zwei Gefängniswärter ermöglicht. Nourizadeh berichtete in der Sendung “Tafsire Khabar” des Senders “Voice of America” (Persian) von seinem Gespräch mit dem jungen Blogger: Demnach hat Mirsajafi permanent geschrien. Laut Nourizadeh hatte er jegliche Kontrolle über sich verloren und erweckte den Eindruck unter Drogen- und/oder Medikamenteneinfluss zu stehen. Ein Arzt, der sich mit Misajafi eine Zelle geteilt hat sagt, dass sie ihm zu viele Medikamente verabreicht, sich dann nicht weiter um ihn gekümmert hätten. Diese Aussage lässt erhebliche Zweifel an die Selbtsmordversion aufkommen.
Und was hat Mirsajafi “verbrochen”? In seinem Blog hat er den geistlichen Füherer des Landes, Chamenei, aufgefordert an die hungernden Kinder im Land zu denken, anstatt das Geld den Palästinensern zu geben. Die Wahrheit empfindet der greise Chamenei als Beleidigung, weswegen Mirsajafi letztlich zu der Haftstrafe verurteilt wurde. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass einzig Chamenei in diesem Land über alles bestimmt und somit auch über Leben und Tod, dann ist es der Fall Mirsajafis. Weil er sachliche Kritik, die ihn auf das Elend in seinem Land hinweist, nicht duldet, muss ein junger Mann sterben.
Mirsajafi hat nichts gesagt, das auch nur annährend einer Beledigung gleichkäme. Er hat nicht einmal gelogen: die Mullahs lassen das Land systematisch seit 30 Jahren verkommen. Die Großstädte wirken auf den ersten Blick prachtvoll, doch je mehr man sich stadtauswärts bewegt und je mehr man in die ländlichen Gebiete hineingeht, offenbart sich das Elend der Menschen. Ganze Familien leben in Häusern, die drohen sekündlich zusammenzubrechen und das in einem Land, das von Erdbeben massiv bedroht ist. Es gibt in vielen Gebieten kein fließend Wasser und kein Strom, das Befahren der Straßen erfordert unglaublichen Mut, so heruntergekommen sind sie. Die Nahrungsmittelpreise explodieren, morgen ist Norooz – das neue Jahr – und die meisten Perser können ihr traditionelles Fest nicht feiern, weil ihnen das Geld fehlt, um die nötigen Besorgungen zu machen. Den Mullahs kommt es gerade Recht, denn dieses Neujahrsfest, das von allen Persern gefeiert wird unabhängig von ihrer religiösen und ethnischen Zugehörigkeit, stammt noch aus der Zeit des Persischen Reiches und diesen Teil der persischen Geschichte bemühen sich die Machthaber seit 30 Jahren auszulöschen. Das Elend der Perser macht wütend, weil sie ein reiches Land haben und allein eine Teilinvestierung der Erdöleinnahmen genügen würde, um den Hunger im Volk zu beseitigen. Aber genau das will Chamenei nicht, denn solange die Menschen mit sich selbst beschäftigt sind, werden sie sich nicht für Politik interessieren und folglich nicht zur Gefahr werden – denkt er.
Mirsajafi hat nichts geschrieben, das nicht stimmt und das man von Menschen, die ein Land führen wollen, nicht erwarten muss. Chamenei, der sich als Gottes Vertreter auf Erden versteht, erträgt es nicht, wenn man ihm sein Versagen vor die Augen führt.

Omidreza Mirsajafi
[...] müsste man EU Außenstellen in den Erstfluchtländern einrichten (z.B. in der Türkei für im Iran politisch [...]